Frisbee-WM 2000: Fliegende Scheiben und Menschen in Böckingen
Auf geht's. An diesem Samstag beginnt im Böckinger Union-Stadion die
Frisbee-Weltmeisterschaft. Nach einem Prominenten-Spiel wird es um 18.30 Uhr
ernst: Gastgeber Deutschland trifft in der WM-Eröffnungspartie auf die Schweiz.
Bis zum Finale ist nicht nur Sport angesagt, sondern jede Menge Spaß. (Foto:
Andreas Veigel)
Von Cornelia Durst
Wenn an diesem Samstag (18.30 Uhr) das Eröffnungsspiel eutschland Schweiz im Union-Stadion steigt, werden die
melsten Zuschauer mit einem Sport konfrontiert, den sie nur aus dem
Frribad kennen: Frisbee.
Eine Woche lang wird in Heilbronn um Weltmeistertitel gespielt. Mark Kendall
ist eigentlich durch nichts aus der Ruhe zu bringen, doch die Vorbereitung auf
diese WM hat dem Organisator schon alles abverlangt. Rund 1000 Sportler aus 30
Ländern machen eine Woche lang in Heilbronn Station, um die Meister
auszumachen.
Mark Kendall hat fast ein Jahr darauf hingearbeitet. Für den gebürtigen
Texaner, Massenbacher Trainer und selbst einst Nationalspieler, ist die
Frisbee-WM ein Großereignis. Dass andere beim Spiel mit der Scheibe immer noch
an Freibad-sport denken, muss ihn nicht ärgern.. "Wer hierher kommt, wird
begeistert nach Hause gehen", verspricht der Macher.
Spiele der Frauen-Teams, der Open-Klasse, das Guts-Turnier und die
Qualifikation für die World Games 2001. "In Heilbronn geht's für viele um
alles", sagt Kendall.
Und ein Team wird er beionders beäugen: Die deutschen Junioren. Bis auf
wenige Ausnahmen besteht die Mannschaft der unter 19-Jährigen aus Spielem der
Region. Sie kommen von den Bad Raps aus Bad Rappenau, und voh den Kids aus
Massenbachhausen. Kein anderer als Mark Kendall hat sie das Spiel mit der
Scheibe gelehrt. "Das Team ist schon lange zusammeji, deshalb denke ich, dass
die Jungs alle Mannschaften schlagen können."
Selbst die Favoriten aus den USA und Japan sieht Kendall nicht als zu stark
an. "Die Jungs werden eine Medaille holen", sagt der Frisbee-Coach. Bei den
Herren, die in der sogenannten "Open-Klasse" den Tite1 ausspielen, tritt ein
deutsches Ali-Star-Team der Bundesligisten aus Mainz, Berlin, Karlsruhe, München
und Aachen an. Der letzte große Er-folg des Nationalteams war allerdings der
EM-Titel vor fünf Jahren. Nationaltrainer Peter Loelgen hat sich aber zum Ziel
gesetzt, sich unter den Besten zu behaupten, wenn auch Nationen wie Japan,
Schwe-den und die USA, wo Frisbee Volks-sport ist, die größten Chancen
ha-ben.
Weltmeisterschaften in Heil-bronn, zuletzt hat's einen interna-tionalen
Vergleich ähnlichen Aus-maßes 1991 in der Käthchenstadt gegeben. Da kämpften die
Voltigierer um Gold, Silber und Bronze.
Für Mark Kendall ist seine WM allerdings mehr: "Wir wollen dadurch Interesse
für unseren Sport wecken", sagt der umtriebige Organi-sator. Trendsport-Meile,
Party-Nächte, Internet-Treffs. Frisbee ist an vielen Hochschulen Deutsch-lands
bereits Kult.
"Wir wollen den Sport jetzt auch an die Schulen bringen", sagt Kendall. Was
könnte bessere Werbung sein, als eine Woche WM in Heilbronn? "Viele wissen noch
nicht, was Frisbee überhaupt bedeutet, wie man es spielt, welche Disziplinen es
gibt. Wer die Weltmeisterschaften in Heilbronn besucht, ist um viele Erfahrungen
reicher", sagt Ralf Steg-mann von der Agentur Xmedia.
Eine Erfahrung haben schon die Fußball-Vereine rund um das Union-Gelände
gemacht: Wer unbedingt lieber die Kiekstiefel schnüren will, muss das für eine
Woche lang anderswo tun.
Denn ab Samstag gibt's in Böckingen nur einen Sport: Das Spiel mit der
schnellen Scheibe.